Infobox: Die 10 wichtigsten Schwerpunkte der WHO

Hier sind zehn der zahlreichen Probleme, auf die sich 2019-2024 die Aufmerksamkeit der WHO und ihrer weltweiten Partnerorganisationen richten wird,

Luftverschmutzung und Klimawandel
Neun von zehn Menschen atmen weltweit jeden Tag verunreinigte Luft. 2019 sieht die WHO die Luftverschmutzung als die größte Umweltgefahr für die Gesundheit an. Mikroskopische Schadstoffe in der Luft können in die Atemwege und Kreislaufsysteme gelangen, Schäden an Lungen, Herz und Gehirn verursachen und dazu führen, dass sieben Millionen Menschen pro Jahr vorzeitig an Krebs, Schlaganfall sowie an Herz- und Lungenerkrankungen sterben. Etwa 90 Prozent dieser Todesfälle geschehen in Ländern mit niedrigen bis mittleren Einkommen, wobei ein Großteil der Emissionen aus der Industrie, dem Verkehr und der Landwirtschaft, aber auch von schmutzigen heimischen Kochstellen und Brennstoffen stammen.

Nichtinfektiöse Krankheiten
Nichtinfektiöse Krankheiten wie Diabetes, Krebs und Herzkreislauferkrankungen sind insgesamt für mehr als 70 Prozent der Todesfälle weltweit verantwortlich. Das sind 41 Millionen Menschen. Diese Zahl umfasst 15 Millionen Menschen, die vorzeitig im Alter zwischen 30 und 69 Jahren sterben. Über 85 Prozent dieser vorzeitigen Todesfälle geschehen in Ländern mit niedrigen bis mittleren Einkommen.

Die Zunahme dieser Krankheiten wird durch fünf Risikofaktoren angetrieben: Tabakkonsum, Bewegungsmangel, Alkoholmissbrauch, eine ungesunde Ernährung und Luftverschmutzung. Diese Risikofaktoren verschärfen auch mentale Gesundheitsprobleme, die schon in einem jungen Alter auftreten können: Die Hälfte aller psychischen Erkrankungen beginnen im Alter von 14 Jahren, doch in den meisten Fällen werden diese Erkrankungen nicht erkannt und nicht behandelt. Selbstmord ist die zweithäufigste Todesursache bei jungen Menschen zwischen 15 und 19 Jahren.

Globale Grippepandemie
Die Welt steht vor der nächsten Grippepandemie – wir wissen nur noch nicht, wann sie zuschlagen und wie ernst es werden wird. Die weltweite Verteidigung dagegen ist nur so effektiv wie das schwächste Glied im Gesundheitsversorgungssystem eines Landes.

Jedes Jahr gibt die WHO eine Empfehlung, welche Bakterienstämme in der Grippeschutzimpfung enthalten sein sollten, um die Menschen gegen die Grippe zu schützen. Für den Fall, dass ein neuer Virusstamm ein pandemisches Potenzial entwickelt, hat die WHO eine besondere Partnerschaft mit 153 Einrichtungen in 114 Ländern aufgebaut, um einen effektiven und gerechten Zugang zu Diagnosen, Impfstoffen und Behandlungen insbesondere in Entwicklungsländern zu gewährleisten.

Prekäre Situationen und Lebensbedingungen
Mehr als 1,6 Milliarden Menschen (22 Prozent der Weltbevölkerung) leben an Orten, an denen anhaltende Krisen (durch eine Kombination an Problemen wie Dürre, Hunger, Konflikte und Flucht) und eine schlechte Gesundheitsversorgung zu einem unzureichenden Zugang zu einer Grundversorgung führen.

Zunehmende Resistenzen gegen Antibiotika und andere Arzneimittel
Die Entwicklung von Antibiotika und anderen Arzneimitteln gegen Bakterien und Malaria gehört zu den größten Erfolgen der modernen Medizin, doch dieser Effekt ist bedroht. Angesichts der zunehmenden Resistenzen gegen Antibiotika – die Fähigkeit von Bakterien, Parasiten, Viren und Pilzen, diesen Arzneimitteln zu widerstehen – droht ein Rückfall in eine Zeit, in der wir nicht in der Lage waren, Infektionskrankheiten wie Lungenentzündung, Tuberkulose, Gonorrhö und Salmonellose zu bekämpfen.

Allein die Tuberkulose ist die Ursache dafür, dass jedes Jahr 10 Millionen Menschen erkranken und 1,6 Millionen sterben. 2017 waren rund 600.000 Fälle von Tuberkulose resistent gegen die meisten wirkungsvollen Medikamente und 82 Prozent davon hatten einen Typ von Tuberkulose, der mit heutigen Medikamenten nicht behandelbar war.

Ebola und andere hochgefährliche Krankheitserreger
2018 kam es im Kongo zu zwei getrennten Ausbrüchen von Ebola. Beide Ausbrüche verbreiteten sich auf Städte mit mehr als einer Million Einwohnern. Eine der betroffenen Provinzen ist zudem eine aktive Konfliktzone, was die Möglichkeit für Ärzte und Krankenschwestern, die Ausbrüche zu identifizieren, zu behandeln und zu stoppen, stark einschränkte. Ohne die Präsenz der WHO und der erforderlichen Gesundheitsversorgung können sich Situationen wie diese zu ernsten Epidemien entwickeln.

Schlechte primäre Gesundheitsversorgung
Die primäre Gesundheitsversorgung ist in der Regel der erste Kontaktpunkt, den Menschen mit dem Gesundheitswesen haben, und sollte im Idealfall eine umfassende, erschwingliche und gemeindenahe Versorgung über das gesamte Leben hinweg darstellen. Gesundheitssysteme mit einer starken primären Gesundheitsversorgung sind erforderlich, um ein weltweites Gesundheitswesen zu schaffen.

Dennoch fehlen in vielen Ländern und besonders in Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen ausreichende Ressourcen, um eine gute Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten. Im Oktober 2018 hat die WHO an einer großen globalen Konferenz in der kasachischen Hauptstadt Astana teilgenommen, auf der sich alle Länder dazu verpflichteten, ihre Verpflichtung zu einer primären Gesundheitsversorgung, ausgedrückt in der Erklärung von Alma-Ata von 1978, zu erneuern. 2019 wird die WHO mit Partnerorganisationen an einer Neubelebung und Stärkung der primären Gesundheitsversorgung in allen Ländern zusammenarbeiten und die Umsetzung der konkreten Verpflichtungen der Erklärung von Astana überwachen.

Widerstand oder Ablehnung von Schutzimpfungen
Fehlende Schutzimpfungen aufgrund der individuellen Verweigerung von Schutzimpfungen trotz der Verfügbarkeit von Impfstoffen stellen die Erfolge bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten in Frage. Die Schutzimpfung ist die kostengünstigste Form, um Krankheiten zu verhindern. Dadurch werden gegenwärtig zwei bis drei Millionen Todesfälle pro Jahr verhindert. Weitere 1,5 Millionen könnten verhindert werden, wenn die weltweite Abdeckung durch Schutzimpfungen verbessert würde.

So beträgt zum Beispiel die Zunahme der Fälle von Masern weltweit 30 Prozent. Die Gründe für diesen Anstieg sind komplex und nicht in allen Fällen ist der Mangel an Schutzimpfungen die Ursache, doch in einigen Ländern, in denen die Krankheit nahezu ausgerottet war, ist jetzt ein Wiederaufleben zu beobachten.

Denguefieber
Das Denguefieber ist eine von Mücken übertragene Krankheit, die grippeartige Symptome verursacht und in bis zu 20 Prozent der Fälle mit ernsten Symptomen tödlich verläuft. Sie stellt seit Jahrzehnten eine wachsende Bedrohung dar. Rund 40 Prozent der Welt werden vom Denguefieber bedroht und jedes Jahr treten rund 390 Millionen Infektionen auf. Die Bekämpfungsstrategie der WHO gegen das Denguefieber zielt darauf ab, die Zahl der Todesfälle bis 2020 um 50 Prozent zu senken.

HIV
Die Fortschritte bei der Bekämpfung des HIV-Virus sind beeindruckend. Menschen werden getestet, lebensverlängernde Medikamente verabreicht (22 Millionen werden derzeit behandelt) und Zugang zu präventiven Maßnahmen gegeben.

Doch die Epidemie setzt sich fort. Nahezu eine Million Menschen sterben jedes Jahr an HIV/Aids. Seit dem Ausbruch der Epidemie haben sich über 70 Millionen Menschen infiziert und rund 35 Millionen Menschen sind daran gestorben. Heute leben weltweit rund 37 Millionen Menschen mit HIV. Eine Gruppe, die zunehmend von HIV betroffen ist, sind Mädchen und junge Frauen (15 bis 24 Jahre), die besonders gefährdet sind und für ein Viertel der HIV-Infektionen in Subsahara-Afrika stehen, während sie aber nur ein Zehntel der Bevölkerung ausmachen.